Reifendruck-Control

Reifendruck-Control (RDC)

Die Reifendruck-Control (RDC) ist ein System zu Überwachung des Reifenfülldrucks im Fahrbetrieb. Es wird ausschließlich in USA (gesetzliche Anforderung) und als Sonderausstattung (SA2VB) angeboten.

Das System der neuen Generation (Generation 3) besteht nur noch aus 5 Komponenten: dem RDC-Steuergerät (Steuergerät mit integrierter Empfangsantenne) und 4 Radelektroniken.

Index Erklärung Index Erklärung
1 Radelektronik vorn links 2 Radelektronik vorn rechts
3 Radelektronik hinten rechts 4 Radelektronik hinten links
5 RDC-Steuergerät

Zuordnung der Räder

Mittels Achszuordnung und Erkennung der Drehrichtung kann das Identifizierungsmerkmal (ID) der Radelektronik einer bestimmten Einbauposition zugeordnet werden.

Achszuordnung:

Das RDC-Steuergerät wird achsnah an der Hinterachse eingebaut. Dadurch werden die Botschaften der Radelektroniken von der Vorderachse und der Hinterachse unterschiedlich stark empfangen. Die gemittelten Empfangsstärken der Radelektroniken geben somit Aufschluss über die Achszuordnung. Da das RDC-Steuergerät im hinteren Bereich des Fahrzeugs eingebaut ist, werden die Radelektroniken der Hinterachse mit einer höheren Empfangsleistung als die der Vorderachse empfangen. Die Achszuordnung läuft zeitlich parallel zur Erkennung der Drehrichtung. Bei der Berechnung der Empfangsstärken werden nur gleichsinnig drehende Räder (je Fahrzeugseite) berücksichtigt.

Erkennung Drehrichtung:

Die Radelektronik verfügt über einen kombinierten Beschleunigungssensor, um Drehbewegung und Drehrichtung zu erkennen. Diese Erkennung geschieht im Anfahrvorgang oder während der Fahrt. Bei erkannter Drehbewegung wird eine Botschaft gesendet. In dieser Botschaft ist eine zusätzliche Information vorhanden, über die die Drehrichtung an das RDC-Steuergerät übermittelt wird. Das Ergebnis der Erkennung für die Drehrichtung kann folgende Zustände annehmen:

  • Stillstand
  • Uhrzeigersinn
  • Gegenuhrzeigersinn
  • unbekannt

RDC-Steuergerät

Das RDC-Steuergerät verarbeitet die von der Radelektronik gesendeten Nachrichten. Ab einer Geschwindigkeit von 20 - 30 km/h werden folgende Botschaften von jeder Radelektronik geschickt:

  • Reifenfülldruck
  • Reifenlufttemperatur
  • Restliche Lebensdauer der Batterie
  • Daten des Beschleunigungssensors und Identifizierungsmerkmal (ID) der Radelektronik

Diese Botschaften werden dann über eine hochfrequente Übertragungsstrecke (433 MHz) direkt an das RDC-Steuergerät übertragen und darin ausgewertet. Der Messzyklus der Radelektroniken beträgt 3 Sekunden, der Sendevorgang zum RDC-Steuergerät alle 30 Sekunden. Der aktuelle Status der Botschaften wird auf den CAN-Bus (K-CAN) gegeben und dort von Anzeigeinstrumenten sichtbar gemacht. Der Einbauort des RDC-Steuergeräts liegt im Außenbereich am Fahrzeugunterboden hinter der Hinterachse.

Index Erklärung Index Erklärung
1 Steckverbindung 4-polig 2 RDC-Steuergerät
1 Halter

Aufbau und innere Verschaltung

An der Steckverbindung des RDC-Steuergeräts sind immer alle 4 Pins belegt.
Index Erklärung Index Erklärung
1 CAN-Low 2 Klemme 30B
3 CAN-High 4 Klemme 31L

Diagnosehinweise für RDC-Steuergerät

Bei Ausfall des RDC-Steuergeräts ist folgendes Verhalten zu erwarten:
  • Check-Control-Meldung
  • Kontroll- und Warnleuchte leuchtet

Radelektronik

In allen Rädern werden Radelektroniken im Felgentiefbett eingebaut. Die Radelektroniken sind an die Befüllventile (aus Metall) geschraubt. Alle Radelektroniken sind Gleichteile. Die gültige Betriebstemperatur liegt zwischen -40 °Celsius und +125 °Celsius. Die Radelektronik überwacht die eigene Temperatur im Reifen. Wenn die Temperatur größer als ca. 115 °Celsius wird, wechselt die RDC in einen Modus mit eingeschränkter Funktionalität. Unter Umständen wird eine Abschaltung Hardware vorgenommen.

Die Radelektronik führt im Stillstand eine zyklische Rollerkennung durch, um einen Anfahrvorgang zu erkennen. Während des Anfahrvorgangs wird ein Messzyklus von 3 Sekunden eingehalten. Während der Fahrt wird eine wiederholte zyklische Rollerkennung zur Bestätigung sowie zum Beenden des Fahrbetriebs mit einem Messzyklus von 60 Sekunden durchgeführt.

Die Radelektronik misst in regelmäßigen Abständen (alle 3 Sekunden) den Reifenfülldruck und die Temperatur in der Radelektronik. Diese Messdaten werden automatisch in einem regelmäßigen Sendevorgang (alle 30 Sekunden) aus dem Reifen an das RDC-Steuergerät übertragen. Bei einer Druckänderung größer 0,2 bar innerhalb von 2 aufeinander folgenden Druckmessungen oder schnellem Reifenfülldruckverlust geht die Radelektronik sofort in einen schnell sendenden Modus über. In diesem Fall misst und sendet die Radelektronik in kurzen Abständen (1 Sekunde) die Messdaten aus dem Reifen. Jede Radelektronik ist zur Identifikation durch das RDC-Steuergerät mit einem eigenen Identifizierungsmerkmal (ID) versehen. Dieses Identifizierungsmerkmal wird bei jeder Datenübertragung mitübertragen.

Index Erklärung
1 Radelektronik

Die Radelektronik wird über eine Lithium-Ionen-Batterie mit Energie versorgt. Die Lebensdauer ist auf ca. 10 Jahre ausgelegt. Um den Ladezustand der Batterie nicht unnötig zu belasten, arbeitet die Radelektronik in 5 verschiedenen Betriebszuständen. In welchem Betriebszustand (Modus) eine Radelektronik eine Messung durchführt oder ein Funksignal sendet, ist abhängig von:

  • Reifenfülldruck
  • Reifenlufttemperatur
Modus Erklärung
0 Lagerung
1 Normaler Sendemodus für Standbetrieb und Fahrbetrieb
2 Schneller Sendemodus nach Erkennung einer schnellen Druckänderung
3 Schneller Sendemodus vor einer Abschaltung wegen Übertemperatur
4 Erkennung Drehrichtung im Anfahrvorgang

Aufbau und innere Verschaltung

Die Radelektronik besteht aus einem Kunststoffgehäuse. In diesem Kunststoffgehäuse befinden sich auf einer Platine folgende Bauteile:
  • Drucksensor
  • Temperatursensor
  • Beschleunigungssensor
  • Sende- und Empfangseinrichtung
  • Auswerteelektronik
  • Batterie

Diagnosehinweise für die Radelektronik

Bei Ausfall der Radelektronik ist folgendes Verhalten zu erwarten:

  • Fehlerspeichereintrag im RDC-Steuergerät
  • Check-Control-Meldung
  • Kontroll- und Warnleuchte leuchtet

Die Batterie der Radelektronik ist nicht austauschbar.

Diagnosehinweise für den Service

Hinweis! Prüfung der Radelektronik!

Ob eine Radelektronik eingebaut ist, kann optisch von außen nur am Aluminiumschraubventil erkannt werden. Ob die korrekte Radelektronik eingebaut ist, kann nur durch die vorherige Demontage des Reifens geprüft werden. Eine Abfrage über das Diagnosesystem ist aus technischen Gründen leider nicht möglich.

Hinweis! Deaktivierung einer aktiven Radelektronik!

Es ist nicht möglich, eine bereits aktivierte Radelektronik zu deaktivieren. Bei längerer Standzeit des Fahrzeugs (größer 5 Minuten) sendet die Radelektronik jedoch kein Funksignal. Erst durch eine Fahrt mit einer Geschwindigkeit über 30 km/h wird die Radelektronik in einen Sendemodus versetzt.

Hinweis! Bedingungen für Initialisierung!

Eine Initialisierung der Reifendruck-Control muss in folgenden Fällen durchgeführt werden:

  • Der Reifenfülldruck wird geändert.
  • Ein Rädertausch wird durchgeführt. Die getauschten Räder müssen mit den korrekten Radelektroniken ausgerüstet sein.
  • Achsweiser Rädertausch am Fahrzeug.
  • Diagnoseanweisung

Bei der Initialisierung wird der aktuelle Reifenfülldruck als Vorgabe für den Solldruck übernommen.

Der Fahrer stellt eigenverantwortlich bei kalten Rädern die Reifenfülldrücke nach Betriebsanleitung ein. Je nach Baureihe sind verschiedene Bedienstellen für die Initialisierung möglich:

  • Bedienung Central Information Display (CID)
  • Bedienung Instrumentenkombination (KOMBI) über Lenkstockhebel
  • Bedienung Radio
  • Bedienung über Taste

Dies muss bei stehendem Fahrzeug mit Klemme 15 ein geschehen. Die RDC quittiert die Initialisierung mit einer Anzeige in der Instrumentenkombination, Radio oder CID. Die Meldungen bleiben bis nach Beendigung der Initialisierung sichtbar. Am Ende der Initialisierung erlöschen alle Warnleuchten.

Das RDC-Steuergerät prüft den Sollwert vor der Übernahme auf Plausibilität (Mindestdrücke). Eine Initialisierung ist nur möglich, wenn der Reifenfülldruck in allen Rädern mindestens 1,6 bar beträgt. Wenn der Reifenfülldruck eines Rads unter dieser Grenze liegt, wird sofort eine Check-Control-Meldung ausgegeben.

Abhilfe: Reifenfülldrücke auf korrekte Werte einstellen und dann Initialisierung erneut durchführen. Wenn die Initialisierung nach Rädertausch oder erneuern der Radelektronik vergessen, wird der Fahrer bei Fahrzeugen mit iDrive zur Initialisierung aufgefordert.

Interner Ablauf nach ausgelöster Initialisierung (Reset):

  1. Erkennung der verbauten Radelektroniken
  2. Positionserkennung der Radelektroniken
  3. Plausibilitätsprüfung durch Prüfung der Solldrücke gegen Mindestdrücke
  4. Übernahme der vorgegebenen Drücke als Solldrücke

Der Reifenfülldruck erhöht sich pro 10 °C Temperaturanstieg um 0,1 bar. Wenn es zu einer Unterschreitung der temperaturbewerteten Grenzwerte kommt, gibt die Reifendruck-Control eine Check-Control-Meldung aus.

Bei der Initialisierung stehen bis zur kompletten Zuordnung der Räder Ersatzwerte (z. B. 6,4 bar; 127 °Celsius).

Um die Zuordnung der Räder erfolgreich abschließen zu können, muss eine Fahrt von mindestens 12 Minuten mit einer Geschwindigkeit größer 30 km/h erfolgen.

Länderausführungen

USA, Kanada, Europa

Sendefrequenz des Systems: 433 MHz

Empfangsfrequenz des Systems: 125 kHz (nur für Entwicklung und Werke)

Druckfehler, Irrtümer und technische Änderungen vorbehalten.

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