Reifendruck-Control

Viele Reifenschäden kündigen sich durch einen Reifenfülldruckverlust an. Die Reifendruck-Control warnt den Fahrer bei einem Reifenfülldruckverlust in einem oder mehreren Rädern. Dadurch kann auch die Vorschädigung eines Reifens vermieden werden.

Die Reifendruck-Control ist ein System zu Überwachung des Reifenfülldrucks. In den meisten Märkten muss jedes Fahrzeug aus gesetzlichen Anforderungen mit einem RDC-System angeboten werden. In den weiteren Märkten wird es optional angeboten.

Hinweis!

Die Reifendruck-Control entbindet den Fahrer nicht vom regelmäßigen Prüfen des Reifenfülldrucks.

Nach jeder Änderung des Reifenfülldrucks und jedem Reifenwechsel muss ein Initialisieren der Reifendruck-Control ausgelöst werden. Damit wird der einzelne Reifenfülldruck als Sollwert gespeichert.

Beim Radwechsel muss darauf geachtet werden, dass vor dem Initialisieren eine Standzeit des Fahrzeugs von mindestens 5 min eingehalten wird.

Hinweis!

Die Funktion Reifendruck-Control in der dynamischen Stabilitäts-Control (DSC) integriert. Der Fernbedienungsempfänger empfängt die Funksignale von den Radelektroniken.

Index Erklärung Index Erklärung
1 Radelektronik vorn links 2 Radelektronik vorn rechts
3 Radelektronik hinten rechts 4 Radelektronik hinten links
5 Fernbedienungsempfänger am CAN-Bus

Bauteil-Kurzbeschreibung

DSC-Steuergerät

Die Funktion Reifendruck-Control ist in der dynamischen Stabilitäts-Control (DSC) integriert.

Die Funksignale von den Radelektroniken empfängt der Fernbedienungsempfänger. Der Fernbedienungsempfänger ist über CAN-Bus an den Body Domain Controller (BDC) angeschlossen. Der Body Domain Controller (BDC) leitet die Signale über Bus-Verbindung an das DSC-Steuergerät weiter.

Das DSC-Steuergerät verarbeitet die von der Radelektronik gesendeten Botschaften. Ab einer Geschwindigkeit von ca. 20 km/h werden folgende Informationen von jeder Radelektronik geschickt:

  • Reifenfülldruck
  • Reifenlufttemperatur
  • Restliche Lebensdauer der Batterie
  • Daten des Schocksensors und Identifizierungsmerkmal (ID) der Radelektronik
  • Sendemodus
Index Erklärung Index Erklärung
1 DSC-Steuergerät 2 Hydraulikeinheit
3 Steckverbindung 38-polig

Das DSC-Steuergerät sendet Informationen an die Instrumentenkombination und an die Headunit.

Die Instrumentenkombination zeigt einen Reifenfülldruckverlust über eine Warn- und Kontrollleuchte an und gibt eine CC-Meldung aus.

Über das an der Headunit angeschlossene Central Information Display können über den Fahrzeugstatus weitere Informationen zum Reifenfülldruck abgerufen werden.

Über die Headunit muss auch die Initialisierung der Reifendruck-Control vorgenommen werden.

Radelektronik

In allen Rädern werden Radelektroniken im Felgentiefbett eingebaut. Die Radelektroniken sind an die Befüllventile (aus Metall) geschraubt. Alle Radelektroniken sind Gleichteile. Die gültige Betriebstemperatur liegt zwischen -40 °Celsius und +125 °Celsius. Die Radelektronik überwacht die eigene Temperatur im Reifen. Wenn die Temperatur größer als ca. 115 °Celsius wird, wechselt die Reifendruck-Control in einen Modus mit eingeschränkter Funktionalität. Unter Umständen wird eine Abschaltung der Hardware vorgenommen.

In jeder Radelektronik ist ein Beschleunigungssensor. Der Beschleunigungssensor erkennt, ob das Rad stillsteht oder sich das Rad dreht.

Bei Stillstand der Räder werden keine Botschaften über den Fernbedienungsempfänger an die dynamische Stabilitäts-Control (DSC) gesendet. Die Radelektronik ist im Ruhemodus. Dies erhöht die Lebensdauer der Batterien in den Radelektroniken.

Ab 30 km/h wechselt die Radelektronik in den Bereitschaftsmodus. Die Radelektronik beginnt, in festgelegten Zyklen zu senden.

Die Radelektronik misst in regelmäßigen Abständen den Reifenfülldruck und die Temperatur. Diese Messdaten werden zyklisch aus den Reifen über den Fernbedienungsempfänger an die DSC übertragen.

Das DSC-Steuergerät kennt über eine mitgesendete Identifikationsnummer die Zuordnung der einzelnen Räder. Wenn die Zuordnung verloren geht, muss diese neu angelernt werden: siehe Zuordnung der Räder.

Index Erklärung Index Erklärung
1 Radelektronik 2 Sendefrequenz
3 Drucksensor 4 Ventil

Die Radelektronik wird über eine Lithium-Ionen-Batterie mit Energie versorgt. Die Lebensdauer ist auf ca. 10 Jahre ausgelegt. Die restliche Lebensdauer wird mit einer Auflösung von 1 Monat Genauigkeit angezeigt.

Zuordnung der Räder

Hinweis!

Eine Fahrt für die Zuordnung der Räder durch die DSC kann bis zu 9 min dauern.

Für die Zuordnung der Räder befindet sich die Radelektronik im Anlernmodus.

Wenn sich das Rad dreht, entsteht Fliehkraft. Diese Fliehkraft wird durch den Schocksensor ab einer Fahrgeschwindigkeit von ca. 20 km/h erkannt. In Abhängigkeit zur Erdbeschleunigung erkennt der Schocksensor die Position der Radelektronik.

Für den Anlernmodus wird diese Position (12 Uhr) benötigt.

Im Anlernmodus ordnet das DSC-Steuergerät die Position der 4 Räder neu zu. Dies erfolgt mithilfe eines Abgleichs der Positionsangabe zwischen Radelektroniken und Raddrehzahlsensoren.

Fernbedienungsempfänger

Die Botschaften der Radelektroniken werden über eine hochfrequente Übertragungsstrecke (433 MHz) an den Fernbedienungsempfänger übertragen. Der Sendevorgang zum Fernbedienungsempfänger erfolgt alle 15-30 s. Der aktuelle Status der Botschaften wird auf dem CAN-Bus an den Body Domain Controller (BDC) weitergeleitet. Das BDC-Steuergerät leitet die Botschaften über den FlexRay an das DSC-Steuergerät weiter. Das DSC-Steuergerät wertet die Botschaften aus.
Index Erklärung Index Erklärung
1 Fernbedienungsempfänger 2 Steckverbindung 3-polig

Systemfunktionen

Funktionale Vernetzung

Gezeigt F15
Index Erklärung Index Erklärung
1 Radelektronik vorn links 2 Bremsflüssigkeitsniveauschalter
3 Dynamische Stabilitäts-Control (DSC) 4 Radelektronik vorn rechts
5 Sicherung Sicherungsbox 6 Sicherung auf Body Domain Controller
7 Sicherung Stromverteiler Beifahrerseite vorn 8 Body Domain Controller (BDC)
9 Radelektronik hinten rechts 10 Fernbedienungsempfänger
11 Integrated Chassis Management (ICM), nur F15 12 Radelektronik hinten links
13 Controller (CON) 14 Headunit (HU-B, HU-H)
15 Central Information Display 16 Instrumentenkombination (KOMBI)

Diagnosehinweise für den Service

Hinweis!

Ob eine Radelektronik eingebaut ist, kann optisch von außen am Aluminiumschraubventil erkannt werden. Ob die korrekte Radelektronik eingebaut ist, oder ein Mischverbau verschiedener Hersteller vorliegt, kann anhand des Fehlerspeichereintrags erkannt werden. Mithilfe des RDC Tools kann der Hersteller der Radelektronik ausgelesen werden.

Hinweis!

Bei einem Reifenwechsel ist vor dem Initialisieren der Reifendruck-Control eine Standzeit von 5 min abzuwarten.

Hinweis!

Bedingungen für die Initialisierung beachten.

Eine Initialisierung der Reifendruck-Control muss in folgenden Fällen durchgeführt werden:

  • Der Reifenfülldruck wird geändert.
  • Ein Rädertausch wird durchgeführt. Die getauschten Räder müssen mit den korrekten Radelektroniken ausgerüstet sein.
  • Achsweiser Rädertausch am Fahrzeug.
  • Diagnoseanweisung

Bei der Initialisierung wird der aktuelle Reifenfülldruck als Vorgabe für den Solldruck übernommen.

Der Fahrer stellt eigenverantwortlich bei kalten Rädern die Reifenfülldrücke nach Betriebsanleitung ein. Je nach Baureihe sind verschiedene Bedienstellen für die Initialisierung (siehe Betriebsanleitung) vorhanden.

Das DSC-Steuergerät prüft den Sollwert vor der Übernahme auf Plausibilität (Mindestdrücke). Eine Initialisierung ist nur möglich, wenn der Reifenfülldruck in allen Rädern mindestens 1,85 bar beträgt. Wenn der Reifenfülldruck eines Rads unter dieser Grenze liegt, wird sofort eine CC-Meldung ausgegeben.

Abhilfe: Reifenfülldrücke auf korrekte Werte einstellen und dann Initialisierung erneut durchführen. Wenn die Initialisierung nach Rädertausch oder erneuern der Radelektronik vergessen wurde, wird der Fahrer bei Fahrzeugen mit iDrive zur Initialisierung aufgefordert.

Der Reifenfülldruck erhöht sich pro 10 °C Temperaturanstieg um 0,1 bar. Wenn es zu einer Unterschreitung der temperaturbewerteten Grenzwerte kommt, gibt die Reifendruck-Control eine CC-Meldung aus.

Um die Zuordnung der Räder erfolgreich abschließen zu können, muss eine Fahrt von bis zu 9 min mit einer Geschwindigkeit größer als 20 km/h erfolgen.

 

Druckfehler, Irrtümer und technische Änderungen vorbehalten.

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