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Kinematik-Diagnose-System und Umfeld

BMW KDS (Beissbarth)
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
1.1 Zielsetzung
1.2 Weiterentwicklung des BMW Kinematik-Diagnose-Systems
1.3 Technische Daten
1.4 Lieferumfang
1.5 Erforderliches Zubehör
1.6 Empfehlenswertes Zubehör
2. Messmöglichkeiten mit dem BMW KDS
2.1 Vorderachse
2.2 Hinterachse
2.3 weitere Messmöglichkeiten
3. Systembeschreibung
3.1 BMW KDS 1, basierend auf ML4000 von Beissbarth
3.2 Computer
3.3 Grafik-Tableau
3.4 Geräteschrank
3.5 Fernanzeige
3.6 Messwertaufnehmer mit CCD-Kamera
3.7 BMW Schnellspannhalter
3.8 Dreh- / Schiebeuntersätze
3.9 Taststifte
3.10 Spoileradapter
3.11 Quickspanneinheiten
3.12 Haltekrallen
4. Arbeitsplatz
4.1 Umfeld
4.2 Voraussetzungen für die Vermessung
4.3 Messtoleranz
4.4 Messplatznivellierung
5. Fahrwerksspezifische Begriffe
5.1 Spurdifferenzwinkel
5.2 Sturz
5.3 Vorspur
5.4 Nachlauf
5.5 Geometrische Fahrachse / Symmetrieachse
5.6 Radversatzwinkel
5.7 Lenkrollradius / Lenkrollhalbmesser
6. Radaufhängung
6.1 Starrachse
6.2 Einzelradaufhängung
7. Fahrwerksvermessung / Durchführung
7.1 Messmöglichkeiten
7.2 Vorbereitende Arbeiten
7.3 Eingangs- / Ausgangsvermessung
7.4 Ausdruck der Daten
8. Besonderheiten
8.1 Fahrwerksvermessung im wahlfreien Zugriff
8.2 Systemeinstellung
9. Vergleich BMW KDS (Bosch - Beissbarth)
10. Änderung der Bedienung (Menü)
10.1 Fernbedienung mit Anzeige
10.2 Kurzbedienungsanleitung
10.3 Anzeigenunterstützung
11. Updaten der Software / Solldaten
11.1 Voraussetzungen
11.2 Vorgehensweise (Beissbarth)
11.3 Vorgehensweise (Bosch)
12. Erstellen, kopieren und bearbeiten von Solldaten
12.1 Kopieren
12.2 Erstellen
13.3 Bearbeiten
13. Sonderfunktionen
13.1 Kundenkopf für Druckerprotokoll
13.2 Justagemöglichkeiten
13.3 Drehplattentest
13.4 Kundeneinträge aus Datenbank sichten und löschen
14. Programminterne Änderung
15. Fehler
15.1 Reifenfehler
15.2 Vorderachsfehler
15.3 Hinterachsfehler
1. Vorwort

1.1 Zielsetzung

Das Thema Fahrwerksvermessung hat an Komplexität zugenommen. Mit dieser BMW Service Technik sollen deshalb mehrere Ziele erreicht werden:

- Erstellung Richtlinien für die Arbeit mit dem BMW KDS.
- Auseinandersetzung mit der Technik der Fahrwerksvermessung heutiger Fahrzeuge und Klärung eventuell auftretender Fragen.
- Transparenz und Verdeutlichung der unterschiedlichen Begrifflichkeit.
- Klärung von Fehlerursachen aus der Vergangenheit, so dass diese zukünftig nach dem Studium dieses Papiers vermieden werden können.
- Voraussetzungen für einen sicheren Umgang mit dem BMW KDS schaffen.

1.2 Weiterentwicklung des BMW Kinematik-Diagnose-Systems

- Das BMW Kinematik-Diagnose-System ist integrierter Bestandteil automobiltechnischen Systemdenkens. Es gibt die Sicherheit, besonders rationell und BMW gerecht zu arbeiten und die Gewissheit, auch auf künftige technologische Entwicklungen vorbereitet zu sein. Unter dem Aspekt Präzision und Leistungsfähigkeit in der Fahrwerksvermessung und Fahrwerkeinstellung hat BMW mit führenden Herstellern aus dem technisch Möglichen das Beste gemacht: Das BMW Kinematik-Diagnose-System.
- Das BMW Kinematik-Diagnose-System der Firma Beissbarth ist mehr als nur die Weiterentwicklung herkömmlicher Achsmessanlagen. Es setzt Dimensionen in Präzision, Leistungsfähigkeit, Schnelligkeit und Handhabung. Garanten für die Perfektion, auf die BMW Kunden beim BMW Service zählen.
- Fahrkomfort, Fahrsicherheit und Reifenverschleiß hängen in hohem Maße vom einwandfreien Zusammenspiel der Fahrzeug-Kinematik ab. BMW bringt immer wieder neue Fahrwerksgenerationen auf den Markt, die noch besser bzw. noch perfekter als ihre Vorgänger sind. So gibt es am Fahrwerk weniger Kinematik-Einstellpunkte und bei der Fahrwerksvermessung und -einstellung engere Toleranzvorgaben.
- Mit dem Einsatz der Mehrlenker-Hinterachse und dem E36 waren die bis dahin empfohlenen elektronischen Achsmessgeräte für die BMW Fahrwerkvermessung nicht mehr geeignet. Dies betraf sowohl das Messverfahren als auch die Messgenauigkeit. Die mit Einführung der Baureihe E36 freigegebene Gerätegeneration erfüllt auch heute noch all die Anforderungen, die an ein modernes Achsmessgerät gestellt werden, inklusive der Verwendung neuester Computertechnologie.
- Zur Achsvermessung dürfen nur die BMW Kinematik-Diagnose-Systeme der Firma Beissbarth und Bosch benutzt werden.

1.3 Technische Daten

1. Anzeige
- 17 Zoll Grafikbildschirm mit hochauflösender Grafik (640x480 Bildpunkte mit 256 Farben)
2. Bildschirmtexte
- in der jeweils programmierten Landessprache
3. Radgrößen
- 12"...20"
4. KFZ-Speicherplätze
- unbegrenzt
5. Drehplatten
- Tragfähigkeit 1000 kg, Drehwinkel ± 360°, 450 x 450 x 50mm (L x B x H), Schiebebereich ± 50 mm, Gewicht 18 kg
6. Schiebeuntersätze
- Tragfähigkeit 1000 kg, Drehwinkel ± 10°, 450 x 450 x 50mm (L x B x H), Schiebebereich ± 65 mm, Gewicht 17 kg
7. Elektroanschluss
- 100...115 V / 220...240 V 50/60 Hz, 0,5 kW (andere Anschlüsse auf Anfrage)

1.4 Lieferumfang

1 PC-Anzeigegerät mit Grafikbildschirm, Grafik-Tableau, Geräteschrank klein oder groß inkl. automatischer Ladestation, DIN-A4 Nadeldrucker
4 Messwertaufnehmer mit CCD-Kameratechnik und Infrarot-Datenübertragung, mit eingebauter Stromversorgung
1 Kabelsatz (bestehend aus 4 Kabel)
1 Bremsspanner
1 Lenkradfeststeller
2 elektronische Präzisions-Drehuntersätze mit integriertem Geber ohne Auffahrrampen
2 Schiebeuntersätze ohne Auffahrrampen
4 BMW Schnellspanneinheiten, bestehend aus Aufnahmeglocke P8-68 und Schnellspannhalter P267 01, inkl. beschichteter Halteklauen
1 Bedienungsanleitung für BMW KDS (8 Sprachen)
1 BMW Software und die BMW Fahrzeugsolldaten mit Einstellbildern sowie Texte für die Messvorbereitungen

1.5 Erforderliches Zubehör

2 Feststellstangen zum Positionieren des Fahrzeugs
1 Satz Sandsäcke für vorgeschriebene Beladung

1.6 Empfehlenswertes Zubehör

4 Quickspanneinheiten
2 Satz Auffahrbleche
1 Fernbedienung / -anzeige
1 Transportwagen (für Ballasttaschen, Dreh- und Schiebeplatten und 4 Schnellspannhalter)
2. Messmöglichkeiten mit dem BMW KDS

2.1 Vorderachse

- Spur (Einzel- und Gesamtspur bezogen auf die geometrische Fahrachse)
- Sturz (bei Fahrt geradeaus)
- Radversatz (bezogen auf das linke Vorderrad)
- Nachlauf, Spreizung und Spurdifferenzwinkel

2.2 Hinterachse

- Spur (Einzel- und Gesamtspur bezogen auf die Fahrzeuglängsmittelebene --> vormals Symmetrieachse genannt)
- geometrische Fahrachse
- Sturz

2.3 weitere Messmöglichkeiten

- Radversatz hinten
- Radstandsdifferenz
- Seitenversatz rechts
- Seitenversatz links
- Spurweitendifferenz
- Achsversatz
3. Systembeschreibung

3.1 BMW KDS 1, basierend auf ML 4000 von Beissbarth

Das KDS 1 gibt es ohne Aufpreis in zwei Design-Ausführungen:

1. Fahrbare Arbeitsstation

 

2. Fahrbarer Kompaktschrank

 

Die größere Arbeitsstation bietet einen kleinen Aufbewahrungsraum für Zubehör, während der Kompaktschrank fahrbar und ideal für beengte Arbeitsbereiche ist. Beide Varianten sind als kabelloses Messsystem (Infrarot) lieferbar. Messtechnologisch besteht lediglich in der Handhabung und Aufrüstung des Systems ein Unterschied. Bei beiden Ausführungen werden die vier Messwertaufnehmer in integrierten Einsätzen mit Akku-Aufladepunkten aufbewahrt. Nach dem automatischen Laden über Nacht liefern die Akkus der Messwertaufnehmer ausreichend Energie für 10 Stunden Dauereinsatz.

3.2 Computer

  • Das System KDS 1 besteht aus bewährten und zuverlässigen Industriebauteilen. Bei dem Rechner handelt es sich um einen IBM-kompatiblen 32-Bit-Intel Prozessor mit CD-Laufwerk, wie er aktuell in der PC-Branche üblich ist.

3.3 Grafik-Tableau

  • Alle Funkionen sind auf einem ”Piktogramm"-Tableau grafisch dargestellt. Das Tableau liegt geschützt unter einer Plexiglasscheibe. Es kann leicht ausgewechselt werden, wenn größere Gestaltungsänderungen notwendig sind. Die Bedienerfläche ist membranfrei und somit gegen Beschädigungen gesichert. Die Hauptfunktionen werden durch Anklicken des Piktogramms mit dem Taststift aktiviert.

3.4 Geräteschrank

  • In der Arbeitsstation sind der PC mit Grafikbildschirm und herausziehbarem Bedienungstableau, Aufnahmen für die Meßwertaufnehmer, die Fernbedienung und den DIN-A4 Drucker integriert. Die Ladestation befindet sich im Schrank und kann zusätzlich mittels der Steckkabel mit den Messwertaufnehmern und der Fernbedienung verbunden werden (Betrieb bei gleichzeitigem Aufladen der Akkus).

3.5 Fernanzeige

Auf Wunsch ist eine kabellose Fernanzeige lieferbar. Die Fernbedienungstasten sind nur während der Vermessung und Einstellung aktiv (nicht bei Kundeneingabe, Fahrzeugauswahl, Solldatenbearbeitung usw.). Folgende Anzeigen werden von der Fernanzeige unterstützt:
- Messwert mit Soll- / Istvergleich und Toleranzbalken
- Einschlaggrafik für Einschlagroutinen
- Liveübersicht der Spur- / Sturzwerte mit Soll- / Istvergleich
- Felgenschlag-kompensation

3.6 Messwertaufnehmer mit CCD-Kamera

Die Messwertaufnehmer sind mit jeweils zwei CCD-Kameras und eigenem Prozessor zur kabellosen Infrarotdatenübertragung mit integrierten Akkus für das automatische Messen ausgestattet. Vorteile:
- Keine Temperaturabweichung
- Sehr hohe Messauflösung (theoretisch könnte die Spur in Winkelsekunden gemessen werden)
- Einzelspurbereich von mehr als ± 9 Grad zur konstanten Darstellung der Vorspur beim Austausch von Spurstangenköpfen
- Exakte Systemgenauigkeit, d.h. bei Messungen am Fahrzeug nach der Felgenschlagkompensation beträgt die Genauigkeit 2 Winkelminuten für Vorspur und Sturz

3.7 BMW Schnellspannhalter

- BMW Schnellspannhalter zur präzisen Aufnahme der Messwertaufnehmer und Vermessung ohne Felgenschlagkompensation.
- Hinweis: Eventuell vorhandene Schnellspannhalter, z.B. von älteren F1600 oder ML-3000, dürfen nicht auf dem BMW KDS eingesetzt werden.

3.8 Dreh- / Schiebeuntersätze

- Elektronische Präzisions-Drehuntersätze für die Vorderräder mit integriertem Sensor (360 Grad Rundummessbereich)
- Stabile Schiebeuntersätze für die Hinterräder mit einer schwenkbaren /drehbaren oberen Platte
- Zubehör: Abdeckhaube für Alu-Drehuntersätze

3.9 Taststifte

- Ab April 1993 ist als BMW Sonderzubehör ein neues BMW Leichtmetallrad (Styling Nr. 18) erhältlich. Bei Fahrzeugvermessungen mit diesen Rädern sind neue Taststifte für die Schnellspannhalter der empfohlenen Achsmessgeräte erforderlich.
- Bei Neuauslieferungen von KDS 1 sind die neuen Taststifte im Lieferumfang enthalten (Bestellnummer: BS 90 19 11).

3.10 Spoileradapter

- Bei Fahrzeugen mit sehr weit nach unten gezogenem Spoiler kann dadurch der Messstrahl zwischen den Messwertaufnehmern unterbrochen werden. Dies tritt vor allem vor der Vorderachse quer auf.
- Der Spoileradapter dient in diesem Fall als Verbindungsglied zwischen dem Meßgerätehalter und dem Messwertaufnehmer. Durch ihn werden die Messwertaufnehmer um 50 mm tiefer gesetzt, wodurch der Messstrahl nun unterhalb des Spoilers frei verlaufen kann.

3.11 Quickspanneinheiten

- Quickspanneinheiten für die Fahrwerksvermessung an Fremdfahrzeugen mit Felgenschlagkompensation.
- Felgen ohne Tast-Bohrungen (Felgen für BMW Fahrzeuge von anderen Herstellern)

3.12 Haltekrallen

- Die vielseitig einsetzbaren Haltekrallen und die gummierten Druckstücke erlauben die unterschiedlichsten Aufspannvarianten des Messgerätehalters, auch an exotischen Leichtmetallfelgen.
4. Arbeitsplatz
4.1 Umfeld
Beschreibung: Voraussetzungen:
Alle derzeit von BMW empfohlenen Hebebühnen (vgl. Werkstatteinrichtung Planungsunterlagen, Ausgabe 11) für Achsvermessungen erfüllen die Anforderungen für das BMW KDS.
- Achsmessgruben
- Säulen-Hebebühnen mit Absetzvor-richtung
- 2-Stempel-Hebebühnen mit Absetzvorrichtung
- Reparaturstände mit Absetzvorrichtung
Der BMW KDS stellt keine hohen Anforderungen an seinen Einsatzort. Das Gerät kann über Arbeitsgruben oder auf Hebebühnen eingesetzt werden.
- ein Messplatz (ca. 4,5 m x 7,0 m).
- die Drehuntersätze müssen mit der Bühne verstiftet werden
Die Aufstellflächen der Dreh- und Schiebeplatten dürfen eine maximale Höhendifferenz wie nachfolgend beschrieben aufweisen:
- von links nach rechts ± 0,5 mm
- von vorne nach hinten ± 1,0 mm
- diagonal ± 1,0 mm.
Hinweis:

Ein Höhenunterschied der Drehteller von ± 2 mm von links nach rechts bewirkt im Sturz einen Meßfehler von 4,8°.

Zum Vergleich: Die Sturztoleranz beim E36 beträgt ± 10'. Reifenprofilunterschied bzw. unterschiedlicher Luftdruck verursachen Messfehler in gleicher Größenordnung.

4.2 Voraussetzungen für die Vermessung

Bei der Fahrwerksvermessung müssen die Vorder- und Hinterräder mittig auf den Dreh- und Schiebeuntersätzen stehen, damit alle Radaufhängungen während der Einschlagroutine und den Einstellarbeiten frei von Verspannungen bleiben. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, dass die Dreh- und Schiebeuntersätze für die jeweiligen Radstände und Spurweiten des zu vermessenden Fahrzeugs verschoben werden müssen.

4.3 Messtoleranz

Die gesamten Meßtoleranzen sind Systemtoleranzen. Dies bedeutet, daß die Summe aller Einzeltoleranzen den Wert ergibt, der im Argumenter aufgeführt ist. Beispiel Sturz: Schnellspannhalter + Meßwertaufnehmer + Rechner = 1' bei einem Meßbereich von ± 3° (innerhalb dieses Meßbereiches liegen alle BMW Fahrzeuge).

4.4 Meßplatznivellierung

Die Hersteller des BMW KDS (Beissbarth / Bosch) sind in der Lage, den Messplatz in der geforderten Genauigkeit mit Nivelliergeräten zu vermessen. Balken oder Schlauchwasserwaagen sind ungeeignet. Die Nivellierung von Hebebühnen muß unter Last erfolgen, damit die ungleichmässige Durchbiegung der Fahrschienen Berücksichtigung findet.

Achtung!

Für die jeweilige Hebebühne muss bei Einstellarbeiten ein Fachmann hinzugezogen werden (Kundendienst des Herstellers).

5. Fahrwerksspezifische Begriffe

5.1 Spurdifferenzwinkel

  • Der Spurdifferenzwinkel (a) ist die Winkelstellung des Kurveninnenrades zum Kurvenaußenrad bei Kurvenfahrten. Die Lenkung ist so konstruiert, daß sich die Winkelstellung der Räder zueinander bei zunehmendem Lenkeinschlag ändert.
  • Im Idealfall treffen sich in jeder Lenkstellung (ausser gerade aus) die Achsen der Räder im Punkt D.

5.2 Sturz

  • Der Sturz ist der Neigungswinkel des Rades zur Senkrechten.

5.3 Vorspur

  • Die Vorspur ist die Verringerung des Abstandes der Vorderräder vorn gegenüber hinten. Die Vorspur verhindert das Auseinanderlaufen der Räder während der Fahrt (Flattern und Radieren).

5.4 Nachlauf

  • Der Nachlauf ist die von der Seite gesehene Neigung des Achsschenkelbolzens gegen Fahrtrichtung. Dem Achsschenkelbolzen entspricht die Linie durch den Mittelpunkt von Federbeinstützlager und Querlenkerkugelgelenk.

5.5 Geometrische Fahr- / Symmetrieachse

- (1) Die geometrische Fahrachse ist die Winkelhalbierende aus der Hinterrad-Gesamtspur. Auf diese Achse beziehen sich die Messungen der Vorderräder.
- (2) Die Symmetrieachse stellt die Mittellinie durch die Vorder- und Hinterachse dar.

5.6 Radversatzwinkel

  • Der Radversatzwinkel ist die Winkelabweichung der Verbindungslinie der Radaufstandspunkte zu einer Linie die 90° zur geometrischen Fahrachse verläuft. Der Radversatzwinkel ist positiv, wenn das rechte Rad nach vorne versetzt ist und negativ, wenn es nach hinten versetzt ist.

5.7 Lenkrollradius / Lenkrollhalbmesser

  • Der Lenkrollradius / Lenkrollhalbmesser ist der Abstand von der Mitte der Radaufstandsfläche zum Durchstosspunkt der Verlängerung des Achsschenkelbolzens.
6. Radaufhängung

Zur Radaufhängung zählen die Bauteile, die das Rad mit den zumeist tragenden Bodenelementen der Karosserie verbinden und in die erforderliche Richtung führen. Die Verbindung erfolgt durch Achsen oder vergleichbare Konstruktionen; die Führung durch Lenker. Die Art der Radaufhängung ist mitbestimmend für die Fahreigenschaften eines Fahrzeugs. Man unterscheidet zwei Hauptgruppen: 1. die Starrachse und 2. die Einzelradaufhängung.

6.1 Starrachse

Beschreibung Vorteile Nachteile
Bei der Starrachse sind beide Räder oder Radpaare durch ein starren Achskörper miteinander verbunden. Jede Veränderung des einen Rads überträgt sich mehr oder weniger auf das andere. Sofern der Einbau überhaupt noch erfolgt, geschieht dies nur noch als Hinterachse. Bei LKW's oder Omnibussen findet sie dagegen häufig ihren Einsatz. Es treten keine Sturz- und Spurveränderungen beim Durchfedern ein. Das bedeutet: geringer Reifenverschleiß und gute Spurhaltung. Nichtangetriebene Hinterachsen können zur Erhöhung der Reifenseitenführung zusätzlich negativen Sturz erhalten, was den Reifenverschleiss erhöht.

6.2 Einzelradaufhängung

Beschreibung Vorteile Nachteile
Nach dem heutigen technischen Standard ist die Einzelradaufhängung bei BMW Fahrzeugen an Vorder- und Hinterachsen vorhanden. Diese Entwicklung hat ihre Ursache in der Massenträgheit, denn eine Verringerung der ungefederten Massen verbessert den Rad- und Bodenkontakt; das Rad bleibt besser auf der Straße. Die Führung einzeln aufgehängter Räder erfordert Quer- und Längslenker, die teilweise hohe Längs- und Seitenkräfte aufzunehmen haben. Unabhängig voneinander aufgehängte Räder beeinflussen sich gegenseitig nicht. Je nach Bauart können beim Einfedern Änderungen von Sturz, Spur, Spurweite, Nachlauf und Radstand auftreten.
7. Fahrwerksvermessung / Durchführung

7.1 Messmöglichkeiten

Nachfolgend sind alle Messmöglichkeiten und Werte auf einen Blick (VA = Vorderachse, HA = Hinterachse) aufgelistet.

Messmöglichkeiten Messgenauigkeit bei Messbereich Gesamtmess-bereich
Gesamtspur (VA + HA) ± 2' ± 2° ± 18°
Einzelspur (VA + HA) ± 2' ± 2° ± 9°
Sturz (VA + HA) ± 1' ± 3° ± 10°
Radversatz (VA) ± 2' ± 2° ± 9°
geometrische Fahrachse ± 2' ± 2° ± 9°
Nachlauf ± 4' ± 18° ± 22°
Spreizung ± 4' ± 18° ± 22°
Spurdifferenzwinkel ± 4' ± 20° ± 20°
Maximaler-Lenkwinkel (VA ) ± 4' ± 60° ± 300°
Maximaler-Lenkwinkel (HA ) ± 4' ± 9° ± 9°
Nachlauf-Korrekturbereich ± 4' ± 7° ± 10°
Hinweis:

Die Angaben für die Messgenauigkeit gelten nur bei Verwendung der Präzisions-Dreh- und Schiebeuntersätze sowie den BMW Schnellspannhaltern.

7.2 Vorbereitende Arbeiten

Bevor die Vermessung beginnen kann, gibt es noch vorbereitende Arbeiten am Messplatz und am Fahrzeug zu erledigen (siehe BMW KDS Betriebsanleitung). Zu den vorbereitenden Arbeiten gehören:

- Leichtgängige Dreh- und Schiebeplatten
- Ausrichten der Dreh- und Schiebeuntersätze auf Spurweite und Radstand
- Auffahren des Fahrzeugs mittig auf die Untersätze
- Feststellbremse anziehen
- Sicherungsstifte der Untersätze entfernen, um ein Verspannen des Fahrwerks beim Beladen zu vermeiden
- Überprüfen der Felgen- und Reifengröße, Profiltiefe, Reifenfülldruck, Lenkungsspiel, Radlager und Zustand der Federung und Stoßdämpfer
- Messgerätehalter an den Rädern befestigen
- Fahrzeug nach BMW KDS Vorgabe beladen
- Fahrzeug mit gelösten Bremsen durchwippen, damit eine stabile Mittellage entsteht
- Betriebsbremse durch Einsetzen des Bremsspanners blockieren

7.3 Eingangs- / Ausgangsmessung

Diese Vermessung kann wie die eventuell folgenden Einstellarbeiten und die dann abschliessende Ausgangsvermessung als programmgeführte Vermessung durchgeführt werden. Die Reihenfolge der aufzurufenden Fahrwerksmesspunkte wird vorgegeben und von der System-Software gesteuert. Die einzelnen Schritte umfassen:

- Fahrt geradeaus zur korrekten Erfassung der Spur- und Sturzwerte der Hinterachse
- Einschlagroutine zur Ermittlung von Nachlauf, Spreizung und Spurdifferenzwinkel
- Erfassung von Spur und Sturz der Vorderachse (vorher den Lenkungsmittelpunkt einstellen)
- Einschlagroutine zur Messung der maximalen Lenkwinkel links/rechts
- Kontrolle der Messwertübersicht mit Soll- / Istvergleich aller Messwerte

7.4 Ausdruck der Daten

Der Protokollausdruck des integrierten DIN-A4-Druckers ist in drei Bereiche unterteilt:

- Kopfzeilen mit Kunden- und Fahrzeug-Identifizierungsdaten, --> hier werden die vor Messbeginn eingegebenen Kundendaten sowie KFZ-Daten ausgedruckt.
- Mittelteil mit KFZ-Daten --> hierzu gehören Marke, Typ, Modell und Baujahr des Fahrzeugs, die bei der Auswahl des Solldatensatzes definiert wurden. Außerdem werden in diesem Teil die zuvor gemessenen Werte für Höhenstand, Reifenluftdruck und Profiltiefe ausgedruckt.
- Der Endteil mit allen Fahrwerksmesswerten besteht aus den 3 Spalten Eingangsvermessung, Sollwerte und Ausgangsmessung. Die Messwerte werden in diesen 3 Spalten getrennt erfasst.
8. Besonderheiten

8.1 Fahrwerksvermessung im wahlfreien Zugriff

Bei der Vermessung im wahlfreien Zugriff ist die Auswahl und Reihenfolge der Messpunkte frei wählbar. Dabei sind zur Erzielung korrekter Messergebnisse folgende Punkte zu beachten:

- Alle Arbeiten wie bei der Programmgeführten Vermessung durchführen.
- Vor der Vermessung der Spur- und Sturzwerte der Hinterachse muss die Lenkung auf ”Fahrt geradeaus" stehen, damit die Ausrichtung zur Fahrzeuglängsmittelebene gewährleistet ist.
- Vor der Vermessung der Einzelspurwerte an der Vorderachse muss die Lenkungsmitte festgestellt werden, damit die korrekte Stellung des Lenkrads sichergestellt ist.

8.2 Systemeinstellungen

Die folgenden Einstellungen müssen nur einmal eingegeben und eingestellt werden: Sprache, Anzeigeformat, Datum/Zeit, Werbetext, Fernbedienung mit Anzeige, Drehplattenauswahl und Druckereinstellung. Sie bleiben gespeichert.

9. Vergleich BMW KDS (Bosch - Beissbarth)
  Bosch Beissbarth
Messwerterfassung Infrarot CCD-Kamera
Datenübertragung Kabel Infrarot / Kabel
Stromversorgung der Messwertaufnehmer Kabel Akku / Kabel
Fernbedienung Infrarot Infrarot
Fernbedienung mit Messwertanzeige Kabel Infrarot
Solldatenspeicher Diskette Festplatte
Messwertspeicher immer das zuletzt gemessene Fahrzeug unbegrenzter Fahrzeugspeicher
Betriebssystem --- MS-DOS
Sprachen Englisch und eine Sprache nach Bestellung EN, DE, NI, SV, IT, FR, SP (weitere Sprachen auf Abruf)
Update 3,5" Diskette 3,5" Diskette über das TIS/DIS
Monitor 20" 17"
Rechner --- Pentium
Laufwerke 2 x Diskette 1 x Diskette, 1 x CD-Rom
10. Änderung der Bedienung (Menü)

10.1 Fernbedienung mit Anzeige

Die Aktivierung der Fernbedienung mit Anzeige ist in den nachfolgenden Schritten beschrieben:

1. in den Sonderfunktionen (Taste ”S") das Menü ”Service" aufrufen
2. im Menü ”Service" das Untermenü ”Fernbedienung" aufrufen
3. im Untermenü ”Fernbedienung" den Punkt ”Fernbedienung mit Anzeige" auswählen -diese Einstellung ist einmalig.
Achtung!

Bei Geräten ohne Fernbedienung muß diese Einstellung auf ”keine Fernbedienung" stehen.

10.2 Kurzbedienungsanleitung

1. Fernbedienung mit der Taste ”ON" einschalten (das Einschalten ist auch während der Vermessung zulässig). Es erscheint das Titelbild auf dem LCD.
2. Am Messgeräteschrank die ”Fahrt geradeaus" der ”Eingangsvermessung", den ”Einstellarbeiten" oder der ”Ausgangsvermessung" anwählen. Es erscheint auf dem LCD die Einschlaggrafik für ”Fahrt geradeaus".
3. Mit der Taste ”Pfeil vorwärts" ins nächste Messbild wechseln. Es erscheinen auf dem LCD Anzeigeblöcke mit der Bezeichnung des Messwertes und Toleranzbalken mit Messwert. Befindet sich der Messwert innerhalb der Toleranz, so wird dieser mit dunklen Ziffern auf hellem Grund dargestellt. Ist der Messwert außerhalb der Toleranz, so wird dieser invers angezeigt (helle Ziffern auf dunklem Grund).
4. Durch kurzes Drücken der Taste ”F" kann wechselweise zwischen der Bezeichnung des Messwertes und dem Sollwert mit Toleranz innerhalb der Anzeigeblöcke umgeschaltet werden.
5. Das Weiterschalten der Messwerte erfolgt mit den Tasten ”Pfeil vorwärts", ”Pfeil rückwärts" und ”Abbruch" (roter Punkt) . Die Funktion dieser Tasten ist identisch mit den Tasten am Grafik-Tableau.
6. Auch bei der ”Vermessung im wahlfreien Zugriff" können die Messwerte wie bei der ”programmgeführten Vermessung" weitergeschaltet werden.
7. Mit der Taste ”Drucker" kann während der Vermessung der Protokollausdruck ausgelöst werden. Die Fernbedienungstasten sind nur während der Vermessung und Einstellung aktiv (nicht bei Kundeneingabe, Fahrzeugauswahl usw.).

10.3 Anzeigenunterstützung

- Messwerte mit Soll-/Istvergleich und Toleranzbalken (Sollwerte können mit der Taste ”F" angezeigt werden)
- Einschlaggrafik für Einschlagroutinen
- Messwertübersicht mit aktuellem Soll- / Istvergleich
- Felgenschlagkompensation
- Bei allen anderen Funktionen (z.B. Kundeneingabe) erscheint das Titelbild auf der LCD-Anzeige
Hinweis:

Ist die Datenübertragung von der Fernbedienung zum Computer unterbrochen, so wechselt das Fernbedienungssymbol in der rechten unteren Bildschirmecke seine Farbe von grün auf rot und das Bild auf der LCD-Anzeige wird invers dargestellt - schwarz wird weiß - weiß wird schwarz. Diese Umschaltung erfolgt nicht im Titelbild. Wird die Sichtverbindung wieder hergestellt, so arbeitet die Fernbedienung wieder an der unterbrochenen Programmstelle weiter. Eine dauernde Sichtverbindung während der Vermessung ist also nicht notwendig.

  • Das Symbol ”Sanduhr" in der LCD-Anzeige signalisiert: ”Bitte warten".
  • Das Symbol ”Batterie" in der rechten oberen Ecke der LCD-Anzeige signalisiert, daß die Batteriereserve erreicht ist.
  • Ausschalten der Fernbedienung: Taste ”F" 5 Sekunden gedrückt halten, dann in Ladehalterung ablegen bzw. an Ladekabel anstecken. Das Titelbild erscheint nun wieder als Ladekontrolle.
  • Wird die Fernbedienung während der Vermessung in der Ladehalterung abgelegt, so muss sie bei Bedarf wieder mit der Taste ”ON" eingeschaltet werden.
11. Updaten der Software / Solldaten

Allen BMW Partnern, die in der Vergangenheit einen ”BMW KDS (Beissbarth / Bosch)" bezogen haben, werden keine Disketten mehr zugesandt. Aus Kostengründen können diese Disketten entweder auf dem ”DIS-Tester" oder auf dem ”TIS/ETK-Server" selbst erstellt werden. Die Daten dafür werden regelmäßig auf der TIS-CD aktualisiert

11.1 Vorraussetzungen

- BMW KDS (Beissbarth / Bosch)
- Programmstand (Beissbarth) TIS-CD: ab CD 12/95
- Programmstand ETK: ab 12/95
- Programmstand (Bosch) TIS-CD: ab CD 08/97
- Programmstand DIS: ab V6.0
- Disketten 3,5", 1,44 MB (Beissbarth 5 Disketten / Bosch 1 Diskette)

11.2 Vorgehensweise (Beissbarth)

  1. In Bildschirmmaske ”Administration" gehen
  2. KDS Button anwählen
  3. Beissbarth anwählen
  4. Nach Aufforderung ”Diskette 1" einlegen und mit ”OK" bestätigen (Programmdiskette 1 von 2 wird erzeugt, Beschriftung durchführen)
  5. Nach Aufforderung ”Diskette 2" einlegen und mit ”OK" bestätigen (Programmdiskette 2 von 2 wird erzeugt, Beschriftung durchführen)
  6. Nach Aufforderung ”Diskette 3" einlegen und mit ”OK" bestätigen (Solldatendiskette 1 von 3 wird erzeugt, Beschriftung durchführen)
  7. Nach Aufforderung ”Diskette 4" einlegen und mit ”OK" bestätigen (Solldatendiskette 2 von 3 wird erzeugt, Beschriftung durchführen)
  8. Nach Aufforderung ”Diskette 5" einlegen und mit ”OK" bestätigen (Solldatendiskette 3 von 3 wird erzeugt, Beschriftung durchführen)
  9. Update- und /oder Solldaten mit den eben hergestellten Disketten wie gewohnt am KDS durchführen.

11.3 Vorgehensweise (Bosch)

  1. In Bildschirmmaske ”Administration" gehen
  2. KDS Button anwählen
  3. Bosch anwählen
  4. Diskette 3.1" beschriften, nach Aufforderung in Laufwerk einlegen und mit ”OK" bestätigen (2x) --> Solldaten werden auf die Disketten kopiert
  5. Solldaten-Diskette 3.1 in Laufwerk 3.1 einlegen, Betriebssystem-Diskette 3.0 in Laufwerk 3.0 einlegen.
  6. Gerät wie gewohnt starten
Achtung!

Bei Erstellung der KDS Disketten werden alle Daten auf den verwendeten Disketten überschrieben.

Hinweis:

Beim Auftreten eines Fehlers wird dies angezeigt und das Programm bricht komplett ab. Der Vorgang muss von Anfang an neu durchgeführt werden, wobei alle vorhandenen Daten auf der Diskette gelöscht werden. Eventuell ist eine neue Diskette zu verwenden.

12. Erstellen, kopieren und bearbeiten von Solldaten

12.1 Kopieren

- Die Taste ”C" drücken und das zu kopierende Fahrzeug auswählen.
- In der Sonderfunktion den Menüpunkt ”Solldatenbearbeitung" auswählen. Neues Fahrzeug in bekannter Weise anlegen. Es erscheinen nun in der Dateneingabemaske die Sollwerte des zuvor ausgewählten Fahrzeugs. Die geänderten Daten neu eingeben und den Datensatz speichern.

12.2 Erstellen

- Die Taste ”C" drücken und in der Sonderfunktion den Menüpunkt ”Solldatenbearbeitung" auswählen. Neues Fahrzeug in bekannter Weise anlegen. Es erscheint nun eine leere Dateneingabemaske. Die Daten eingeben und den Datensatz speichern.

12.3 Bearbeiten

- Werkseitig programmierte Solldaten können weder gelöscht noch geändert werden. Sollen diese Daten geändert werden, so muss ein neues Fahrzeug mit geänderten Solldaten angelegt werden. Vom Benutzer neu angelegte Fahrzeuge werden im Auswahlmenü mit einem ”+" gekennzeichnet. Diese Fahrzeuge können vom Benutzer mittels der Bildschirmtaste ”-" gelöscht oder mittels der Taste ”< > ” geändert werden. Diese Tasten erscheinen nur am Bildschirm, wenn Fahrzeuge vom Benutzer eingegeben wurden.
13. Sonderfunktionen

13.1 Kundenkopf für Druckerprotokoll

Im Menü ”Sonderfunktion" muss der Unterpunkt ”Kundenspezifischer Text" aufgerufen werden. Es erscheint am Bildschirm eine Eingabemaske. Diese Eingabemaske muss mit dem Namen und der Anschrift ergänzt und mit der Bildschirmtaste ”S" gespeichert werden. Der eingegebene Text wird in den Kopf des Protokolls eingedruckt.

13.2 Justagemöglichkeiten

- In den Sonderfunktionen (Taste ”S") das Menü ”Service" aufrufen.
- Im Untermenü ”Justage" den Punkt ”Spurjustage" oder ”Sturzjustage" anwählen. Das Spur- und Sturzjustageprogramm führt den Bediener mittels Text und Bildern, Schritt für Schritt durch die Justage. Am Ende der Justage wird für jeden Messsensor die Messwertabweichung am Bildschirm angezeigt.
- Die Justagewerte können mit ”Speichern" in die Messwertaufnehmer abgespeichert werden oder es kann das Programm mit der ”roten Punkttaste" ohne Speicherung verlassen werden (Überprüfung). Die Justagewerte können ausgedruckt werden.

13.3 Drehplattentest

- In den Sonderfunktionen (Taste ”S") das Menü ”Service" aufrufen.
- Im Menü ”Service" den Punkt ”Drehplattentest" aufrufen. Linke und rechte Drehplatte verdrehen und die Anzeige am Bildschirm kontrollieren. Achtung: Der Messbereich beträgt ± 306 Grad.

13.4 Kundeneinträge aus Datenbank sichten und löschen

- In den Sonderfunktionen im Menü ”Datenbank" den Menüpunkt ”Löschen" aufrufen. Es erscheint die Dateneingabemaske. Die Suchfelder mit den zu löschenden Daten ausfüllen.
- Mit der Taste ”-" kann dieser Datensatz gelöscht werden. Es kann nun mit dem Taststift ein neuer Datensatz markiert und gelöscht werden.
- Die Bildschirmtasten ”Pfeil auf" und ”Pfeil ab" erlauben ein Blättern in der gesamten Datenbank.
- Das Verlassen der Löschfunktion erfolgt mit der Abbruchtaste (roter Punkt).
14. Programminterne Änderung

Es wurden noch weitere programminterne Änderungen durchgeführt, welche den Programmablauf nur leicht verändern, aber die Vermessung bezüglich Komfort und Geschwindigkeit optimieren. Dies ist in nachfolgenden Punkten beschrieben:

- Optimierung der Felgenschlagkompensation bezüglich Geschwindigkeit.
- Optimierung der Einschlagroutinen: Markierung kann innerhalb des Tores noch korrigiert werden. Die Meldung ”Drehplatten nicht angeschlossen" verursacht keinen Abbruch der Einschlagroutine mehr. Es kann nach dem Anstecken der Drehplatten weitergemessen werden.
- Vereinheitlichung der Bildschirmfarben mit den Farben am Tablett.
- Erweiterung von Texten in einigen Fremdsprachen.
- Beseitigung von Programm- und Schönheitsfehlern.
- elektronische Wasserwaage
- Entfall Spreizungsmessung
15. Fehler

15.1 Reifenfehler

Fehler Auswirkung
1 Spur, Sturz, Spurdifferenzwinkel und Nachlauf nicht korrekt
1 starkes Reifenquietschen schon bei relativ niedrigen Geschwindigkeiten
2 zuviel Vorspur oder zuviel positiver Sturz
2 Reifen sind in Längsrichtung einseitig außen abgelaufen
3 zuviel negativer Sturz
 
3 Reifenabrieb der Innenkante
4 ausgeschlagene Vorderachsauf-hängungen bei frontangetriebenen PKW
4 verstärkte Geräusche /
Fahrzeug zieht beim Beschleunigen einseitig weg
5 falsche Spureinstellung
5 Räder radieren /
Lauffläche zeigt Gratbildungen im Profil
6 Spiel in Radaufhängung durch mechanische Teile (Federung, Lenkung)
6 Abwaschungen /
Flattern der Vorderräder
7 zu geringer Luftdruck im Reifen
7 Reifenabnutzung der Außenflächen

15.2 Vorderachsfehler

Störung Ursache Abhilfe
1. Spurabweichung
a) Fahrzeug nicht in Normallage
a) Höhenstand korrigieren
 
b) Spurstange(n) verbogen
b) Spurstange(n) ersetzen
 
c) Kugelgelenke der Spurstange(n) ausgeschlagen
c) Spurstange(n) ersetzen
 
d) Gummilager im Querlenker defekt
d) Querlenker ersetzen
2. Sturzabweichung: Der Sturz ist konstruktiv festgelegt und kann nicht eingestellt werden.
a) Gummilager im Querlenker defekt
a) Querlenker ersetzen
 
b) Querlenker deformiert
b) Querlenker ersetzen
 
c) Federbein deformiert
c) Federbein ersetzen
 
d) Führungsgelenk ausgeschlagen
d) Querlenker ersetzen
 
e) Federdurchhang zu groß
e) Schraubenfeder ersetzen, Höhenstand
 
f) Vorderachsträger deformiert
f) Vorderachsträger ersetzen
 
g) Aufnahme Federbeinstützlager deformiert
g) Vorderbau instandsetzen
 
h) Verwindung in der Bodengruppe (Motorträger)
h) Karosserie instandsetzen
3. Nachlaufabweichung: Der Nachlauf ist konstruktiv festgelegt und kann nicht eingestellt werden.
a) Gummilager für Zug- /Druckstrebe defekt
a) Gummilager ersetzen
 
b) Zug- /Druckstrebe deformiert
b) Zug- /Druckstrebe ersetzen,
 
c) Querlenker deformiert
c) Querlenker ersetzen
 
d) Federbein deformiert
d) Federbein ersetzen
 
e) Radhaus deformiert (Federbein-Stützlager)
e) Vorderbau instandsetzen
 
f) Verwindung in der Bodengruppe (Motorträger)
f) Karosserie instandsetzen
4. Spurdifferenzwinkel-abweichung
Voraussetzung: Sturz und Nachlauf stimmen  
 
a) Spurstangen ungleich eingestellt
a) Spur links und rechts auf gleiche Werte einstellen
5. Radversatzabweichung
Voraussetzung: Vorderräder gleiche Einzelspur zur geometrischen Fahrachse  
 
a) Vorderachsträger deformiert
a) Vorderachsträger ersetzen
 
b) Motorträger deformiert
b) Karosserie instandsetzen
 
c) Querlenker deformiert
c) Querlenker ersetzen
d) Zug- /Druckstrebe deformiert
d) Zug- /Druckstrebe ersetzen

15.3 Hinterachsfehler

Störung Ursache Abhilfe
1. Sturzabweichung
a) Fahrzeug nicht in Normallage Federdurchhang zu groß
a) Höhenstand korrigieren
 
b) Gummilager am Hinterachsträger defekt
b) Gummilager ersetzen
 
c) Hinterachsträger deformiert
c) Hinterachsträger überprüfen, ggf. ersetzen
 
d) Querlenker deformiert
d) Querlenker überprüfen, ggf. ersetzen
 
e) Führungslenker deformiert
e) Führungslenker überprüfen, ggf. ersetzen
 
f) Verwindung in der Bodengruppe
f) Karosserie instandsetzen
 
g) Schwinge deformiert
g) Schwinge ersetzen
2. Hinterradstellung stimmt nicht
a) Hinterachsträger seitlich verschoben
a) Gummilager am Hinterachsträger überprüfen, ggf. ersetzen
 
b) Verwindung in der Bodengruppe
b) Karosserie instandsetzen
3. Spurabweichung
a) Fahrzeug nicht in Normallage bzw. Federdurchhang zu groß
a) Höhenstand korrigieren
 
b) Gummilager im Hinterachsträger defekt
b) Gummilager ersetzen
 
c) Querlenker deformiert
c) Querlenker ersetzen
 
d) Gummilager und Schwinge defekt
d) Schwinge ersetzen
 
e) Hinterachsträger deformiert
e) Hinterachsträger überprüfen, ggf. ersetzen
 
f) Führungslenker deformiert
f) Führungslenker überprüfen, ggf. ersetzen
4. Abweichung von der geometrischen Fahrachse
Voraussetzung: Hinterrad-Gesamtspur stimmt  
 
a) Verwindung in der Bodengruppe
a) Karosserie instandsetzen

Weitere Hinweise zum Thema ”Kinematik-Diagnose-System" sind in der BMW KDS (Beissbarth / Bosch) Betriebsanleitung zu finden.

Funktions- und Systembeschreibungen unterliegen keinem Änderungsdienst. Teileverfügbarkeit und sofortige Bestellmöglichkeit sind von dieser Information nicht abzuleiten. Die Fachabteilungen kommen zu gegebener Zeit mit weiteren Einzelheiten auf die Märkte zu.

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