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Versehentliches Betanken mit Ottokraftstoff

Alle Dieselfahrzeuge

Sachverhalt:

Fahrzeug wurde versehentlich mit Ottokraftstoff betankt.

Ottokraftstoff besitzt keine Schmierfähigkeit. Deshalb verursacht der Betrieb des Common-Rail-Systems mit Ottokraftstoff erhebliche Schäden am kompletten Kraftstoffsystem.

Betroffene Fahrzeuge:

Alle Dieselfahrzeuge mit Common-Rail-System

Vorgehensweise:

Bei versehentlichem Betanken mit Ottokraftstoff werden 4 Situationen zu Grunde gelegt, auf die wie folgt zu reagieren ist:

 

Fall 1: Fahrzeug wurde nicht gestartet (Aussage Kunde)

Den Kraftstoffbehälter vollständig entleeren. Den Schwalltopf im Kraftstoffbehälter auf magnetische Späne (mit einem Magnet) prüfen. Wenn magnetische Späne (kein Messingabrieb!) im Kraftstoffbehälter vorhanden sind, so ist wie in Fall 2 beschrieben zu verfahren.

Hinweis!

Feinster Messingabrieb im Kraftstoffbehälter stammt entweder vom Tankfüllstandssensor oder von der Kraftstoffpumpe. Feinster Messingabrieb hat aber keine Auswirkung auf die Lebensdauer der Bauteile.

Wenn keine magnetischen Späne im Kraftstoffbehälter sind, die Ansaugseite des Kraftstoffbehälters mit 5 Liter Dieselkraftstoff befüllen.

Anschließend die Tankfüllstandssensoren wieder einbauen. Das Kraftstoffsystem bis zur Hochdruckpumpe (Vorlaufleitung und Rücklaufleitung) gründlichst mit Dieselkraftstoff spülen. Damit ist sichergestellt, dass Ottokraftstoff weder in die Hochdruckpumpe noch in das Hochdrucksystem gelangen kann.

Hierzu die Steuergerätefunktion am Diagnosesystem zum Kraftstoffsystem nutzen und die Kraftstoffpumpe aktivieren.

Hinweis!

Wenn laut Kundenaussage nach der falschen Betankung die Zündung nicht eingeschaltet wurde, genügt die vollständige Entleerung des Kraftstoffbehälters (sofern keine magnetischen Späne vorhanden sind).

 

Fall 2: Fahrzeug wurde gestartet und gefahren (z. B. nach dem Tanken an der Tankstelle)

Den Kraftstoffbehälter vollständig entleeren. Den Schwalltopf im Kraftstoffbehälter auf magnetische Späne (mit einem Magnet) prüfen. Ebenso müssen das Sieb des Mengenregelventils in der Hochdruckpumpe sowie das Sieb des Raildruckregelventils im ausgebauten Zustand auf magnetische Späne geprüft werden.

Hinweis!

Mit der Prüfung des Mengenregelventils sowie des Raildruckregelventils kann mit geringem Aufwand relativ schnell festgestellt werden, ob sich bereits Späne im Kraftstoffsystem befinden.

Wenn keine magnetischen Späne im Kraftstoffsystem festgestellt werden, so ist das Kraftstoffsystem wie in Fall 1 beschrieben zu entleeren und zu spülen. Neben dem Kraftstofffilter muss in diesem Fall auch die Hochdruckpumpe erneuert werden.

Abschließend muss das Fahrzeug mit frischem Dieselkraftstoff vollgetankt werden.

Wenn im Kraftstoffsystem magnetische Späne vorhanden sind, so ist, wie in Fall 3 beschrieben, zu verfahren.

 

Fall 3: Fahrzeug wurde gefahren, magnetische Späne im System

Das komplette Kraftstoffsystem inklusive Kraftstoffbehälter muss erneuert werden. Lediglich die starren Vorlaufleitungen und Rücklaufleitungen verbleiben im Fahrzeug (entgegen der Durchflussrichtung des Kraftstoffs spülen).

Der Konus der Hochdruckpumpe muss auf Reibverschweißung geprüft werden. Wenn sich eine beginnende Verschweißung zeigt, so müssen die Steuerzeiten des Motors geprüft werden. Abschließend muss das Fahrzeug mit frischem Dieselkraftstoff vollgetankt werden.

Wenn die Schäden ein größeres Ausmaß annehmen als erwartet, so ist, wie in Fall 4 beschrieben, zu verfahren.

 

Fall 4: Fahrzeug wurde gefahren, Hochdruckpumpe festgefressen, Nockenwellen gebrochen, Steuerkette(n) gerissen.

Der Konus der Hochdruckpumpe ist auf Reibverschweißung zu prüfen. Sofern Spuren auf diesem Konus sichtbar sind, müssen die untere Kette und das Kettenrad der Hochdruckpumpe ersetzt werden.

Wenn sich die Nockenwellen nicht drehen lassen, muss eine Schadenanalyse der Motormechanik am Zylinderkopf durchgeführt werden (untere Kette gerissen, Bruch des Schlepphebels, Bruch der Nockenwelle, Kolben beschädigt etc.).

Bei gebrochenen Schlepphebeln sind diese zu ersetzen und der Ölkreislauf ist zu reinigen.

Achtung!

Alle Nadeln von defekten Lagern an Schlepphebeln älterer Ausführung im Ölkreislauf suchen und entfernen. Die Ölpumpe nicht vergessen!

Bei gebrochenen Nockenwellen müssen der Zylinderkopf mit den zerstörten Anbauteilen, beide Ketten und das Kettenrad der Hochdruckpumpe erneuert werden. In diesem Fall muss geprüft werden, ob der Einsatz eines Austauschmotors nicht kostenneutral (für den Kunden) ist. Oder sogar günstiger ist, als die Instandsetzung des Motors.

Das komplette Kraftstoffsystem inklusive Kraftstoffbehälter muss erneuert werden. Es verbleiben lediglich die starren Vorlaufleitungen und Rücklaufleitungen im Fahrzeug (entgegen der Durchflussrichtung des Kraftstoffs spülen).

Abschließend muss das Fahrzeug mit frischem Dieselkraftstoff vollgetankt werden.

Achtung!

Der Kunde muss darauf hingewiesen werden, dass bei einer von dieser Maßnahme abweichenden Instandsetzung Gewährleistungsansprüche bei möglichen Folgeschäden nicht anerkannt werden!

Die Beseitigung von Folgeschäden einer falschen Betankung geht nicht zulasten der Gewährleistung!

Besteht der Kunde auf eine von dieser Maßnahme abweichende Instandsetzung, so sind die Fahrzeugdaten über PuMA an die BMW AG zu übermitteln!

Gesonderter Hinweis zum Thema bakterielle Verunreinigung des Kraftstoffsystems - auch "Dieselpest" genannt

Im sehr seltenen Fall kann es in (meist) küstennahen Gebieten, aufgrund der höheren Luftfeuchtigkeit, zu einer bakteriellen Verunreinigung des Kraftstoffsystems - auch "Dieselpest" genannt - kommen.

Dabei wird der Kraftstoff zu einer geleeartigen Masse und verstopft die Kraftstofffilter.

Dies kann zunächst zu Leistungsmangel und schließlich zum Abstellen des Motors führen.

Hier muss das Kraftstoffsystem wie in Fall 1 beschrieben entleert und gespült werden. Auch der Kraftstofffilter muss in diesem Fall erneuert werden. Abschließend muss das Fahrzeug mit frischem Dieselkraftstoff vollgetankt werden.

Wenn das Fahrzeug erneut auffällig ist, muss ein PuMA Fall mit aussagekräftigen Bildern anlegt werden und Kontakt mit der Vertriebsgesellschaft aufgenommen werden.

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